top of page

Harry war da und das „Non si sa“

  • maikebuchholz
  • 25. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit
Nach dem Zyklon - im kleinen Hafen von Siracusa
Nach dem Zyklon - im kleinen Hafen von Siracusa

Die Zeit hier auf Sizilien verlief bisher ganz schön turbulent - erst das Erdbeben und in dieser Woche wurde dann die Ostküste, an der auch wir uns befinden, von einem Zyklon mit Namen „Harry“ heimgesucht. Wir sind glimpflich davongekommen. Unser Haus weist keine Schäden auf, es hat nicht rein geregnet, der Strom ist nicht ausgefallen. Das liegt auch daran, dass in unserem dicht bebauten Viertel der Wind nicht so viel freie Fahrt hatte und wir auch nicht direkt an der Küste wohnen, sondern ein bisschen den Berg hinauf. Glück gehabt. Die Bilder und Videos, die wir von umliegenden Ortschaften und Teilen Siracusas gesehen haben, erzählen eine andere Geschichte. Zerstörung, wo man hinschaut. Die Bahnstrecke zwischen Catania und Messina ist an vielen Stellen unterbrochen – teilweise ragen die Bahngleise in die Höhe oder sie sind mit Schlammmassen und massivem Geröll großflächig bedeckt. Schauen wir mal, wie sich die Aufräum- und Reparaturarbeiten gestalten.

ein kleiner Strand in Ortigia ist durch den Sturm verschwunden, ebenso wie die daneben liegende Bar

--------------------------------------------------------------------------------------

Im Netz und in der Presse wird jedenfalls diskutiert und es gibt Stimmen, die meinen, dass das wahre Ausmaß der Schäden unter den Teppich gekehrt wird.

Da wir ja mit einem Rentnerdasein hier in der Sonne liebäugeln, beobachte ich die alltäglichen Dinge hier mit einem besonderen Auge und an einiges müsste ich mich gewöhnen:

Das Schwimmbad ist aktuell geschlossen worden, weil die vor zwei Jahren neu eingebaute Wärmepumpe den Geist aufgegeben hat (auch das wird in den hiesigen Zeitungen diskutiert). Da ich die Nachricht nicht gelesen hatte, war ich an einem Tag in der vorletzten Woche den schönen Weg hinaufgelaufen, um von einem der üblichen Sicherheitsleute darüber informiert zu werden, dass aufgrund von Reparaturarbeiten geschlossen sei. Auf meine Frage, wie lange das wohl dauern werde, kam die schulterzuckende Antwort: „non si sa“ – „Weiß man nicht“. Meine Vermutung ist, dass das möglicherweise die Erwiderung auf vieles hier ist.

Auf dem Weg zum Meer und zur Sonne
Auf dem Weg zum Meer und zur Sonne

Weiteres Beispiel gefällig? Mit unserem Kölner Besuch wollten wir das Papyros-Museum auf Ortigia besuchen, die Website sagte, dass es bis 14 Uhr geöffnet sei – als wir ankamen hing ein Schild an der Tür, dass wegen Renovierung geschlossen ist. Wie lange? Non si sa.

Und so geht das immer weiter. Ein von uns häufig besuchtes Bistro, das San Giovanni, war geschlossen mit einem Zettel an der Tür, dass dies bis zum 08. Januar so sei. In der Woche darauf war immer noch zu, gestern sind wir daran vorbei spaziert, jetzt hängt eine hübsche Papierdeko an der Fensterfront, die informiert, dass man bis März geschlossen habe. Warum gibt es auf der Facebook und Instagram-Seite keine Auskunft darüber? Non si sa.

Das sind jetzt sicherlich keine lebenswichtigen Dinge, könnte aber sein, dass das bei Dingen, wie Wohnungssuche, administrativen Geschichten und ähnlichem genauso läuft. Eben: non si sa.

Da bleiben wir dran.

Am Donnerstag erneuerten unsere Liebe für Land und Leute unter anderem bei einer Veranstaltung der „Societa Dante Aligheri“, die einen Abend mit Gedichten unter dem Titel „Questo Amore“ durchführte. Ein Rezitator mit Namen Attillo Ierno, der ansonsten zumeist als DJ unterwegs ist, hatte mit einem Pianisten und Komponisten ein kleines Programm einstudiert. Er rezitierte Liebesgedichte aus unterschiedlichen Epochen und das Klavier lieferte eine sehr schön, jazzartige Untermalung. Wir verstanden nicht alles (aber vieles!), waren aber berührt von der Atmosphäre, der sonoren Stimme von Attilo und der Musik. Einfach wunderbar.

Eine Inneneinrichtung wie in den 60ern
Eine Inneneinrichtung wie in den 60ern

Und danach klang der Abend in dem ebenso wunderbaren Restaurant „La Latteria Mamma Labica“, auf Deutsch ungefähr „Die Molkerei Mamma Labica“ aus. Hier gibt es nichts, was die anderen Restaurants auf der Speisekarte haben, es liegt abseits der Touristenströme und das Essen, das auf den Teller kommt ist regional und der traditionellen Küche verpflichtet. Kolja hat es zufällig entdeckt, und obwohl es Donnerstag war, hatten wir ein bisschen Mühe, einen Tisch zu bekommen, es war fast alles reserviert. Hier gehen die Einheimischen hin und lassen es sich schmecken, überraschendes für den Gaumen, viele Kräuter und Geschmäcker, die uns einen Schmaus der Extraklasse bescherten. Ich schreib’s ja oft, aber auch hier gilt: Da gehen wir noch einmal hin.

Und beim nächsten Mal erzähle ich, warum ich mit einem Italiener verheiratet bin.......


3

 
 
 

Kommentare


bottom of page