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Buon anno, auguri und das beste Silvester aller Zeiten

  • maikebuchholz
  • 2. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

Neujahr, Donnerstagnachmittag. Ich lungere auf der Couch rum, der Besuch hat sich gerade auf den Weg zum Bahnhof gemacht.

Der Silvestertag war so voll und so schön, dass ich wie immer, wenn ich derlei erlebe, müde, sentimental, beseelt und alles wieder von vorn bin.

Dabei verkündeten die Vorzeichen nichts Gutes.

Mittwoch früh, Blick aus dem Fenster und es regnet. Und zwar nicht dröppel, dröppel, sondern schon das, was ich einen zivilen Landregen nenne. Nun denn, ich habe am Vortag die Bestände an Regenschirmen aufgestockt und um unseren Besuch abzuholen, können wir den Bus 105 nehmen, der fast direkt bis zum Bahnhof fährt. Das funktioniert prima und es bleibt Zeit belegte Panini in einer der besten Bäckereien in Siracusa zu kaufen.

Es ist brechend voll dort, die Leute kaufen, was das Zeug hält, es scheint überall auf der Welt so zu sein: zwei Feiertage und die Vorräte werden ergänzt, als wenn eine mehrwöchige Hungersnot droht. Jedenfalls ist das hier so.

Besuch bekommen wir übrigens von unserer lieben und sehr langjährigen Freundin Angela (ich kenne sie schon seit unserer gemeinsamen Kindergartenzeit und Kolja aus dem Gymnasium), die mit ihren beiden Töchtern Sonia und Pauline eine Ferienwoche in Taormina verbringt. Was läge näher, als den Jahresausklang gemeinsam zu verbringen? Platz haben wir genug in unserem Zauberhaus in der Via Monfalcone. Nachdem die Paninis ausgesucht und üppig belegt worden sind, kämpfen wir uns durch den Regen zur Stazzione. Ebenfalls am Vortag war ich bei Deichmann am Corso Gelone gewesen und hatte etwas festere Schuhe erworben, weil die mitgebrachten nicht wasserdicht sind. Hat aber nichts geholfen, am Bahnhof angekommen sind Schuhe und Strümpfe nass, zudem ist es unangenehm frisch. Nachdem wir die drei in Empfang genommen haben, haben wir zwar warme Herzen, das reicht aber nicht, um zu Fuß nach Hause zu gehen. Weitere 30 Minuten im Regen laufen will keiner von uns, der nächste Bus kommt allerdings erst in 45 Minuten. Wir beschließen, uns nach einem Taxi umzuschauen, in der Hoffnung, dass es nicht arg zu teuer wird. Wir sind 5, ein Großraumwagen steht vor dem Bahnhof, der Fahrer will 30 Euro haben (das ist für sizilianische Verhältnisse und der Strecke ein durchaus normaler Preis). Wir überlegen nicht lange, steigen ein und sind 10 Minuten später im Warmen.

Wir freuen uns so sehr über unseren ersten Besuch hier und der Nachmittag vergeht wie im Fluge – es wird gegessen, gespielt (ein für uns neues Würfelspiel mit dem Namen „10.000“, das schnell erlernt ist und sogar dem Spielmuffel Kolja Spaß macht) und ausgesprochen viel gelacht. Es bleibt sogar noch Zeit für ein kleines Nickerchen, damit wir ausgeruht Silvester feiern können.

Die Wettervorhersage verkündete, dass es um 17:00 Uhr noch mal einen Schauer geben solle, danach sei es aber trocken. Als wir uns gegen halb Sieben auf dem Weg ins Städtchen machen, ist davon nichts zu sehen. Es regnet und regnet und regnet. Mit einer Kaffeepause und einem ersten Glas Wein versuchen wir, die Zeit, bis unsere Restaurantplätze bereit sind, zu überbrücken, aber schön ist das alles nicht.

Die einzigen Profiteure sind übrigens die Straßenhändler, die Mittags noch Schmuck, Andenken und Glücksbringer an den Mann gebracht haben und beim einsetzenden Regen sofort auf Regenschirme umgestellt haben. Noch später sieht man sie mit Rosen durch die Restaurants und Bars ziehen. Ein gutes Geschäft an diesem Tag.

Gute Miene zum Regenspiel - die gute Laune lassen wir uns nicht verderben
Gute Miene zum Regenspiel - die gute Laune lassen wir uns nicht verderben

Drinnen ist in den meisten Bars alles reserviert, also hocken wir draußen unter Riesensonnenschirmen, zwar mit Heizpilz, aber das hatten wir uns ein bisschen netter vorgestellt.


Der Weihnachtsbaum auf dem Domplatz
Der Weihnachtsbaum auf dem Domplatz

Da wir den dreien ja ein bisschen was zeigen wollen, huschen wir zum Domplatz, wo uns der Soundcheck für das später stattfindende Konzert von Irene Grandi, einer Sängerin, die vor allem in den 90ern einige Erfolge hatte, gleich wieder verscheucht. Es ist sehr laut, und ich bin eindeutig zu alt für so viel Lärm. Schließlich machen wir uns auf den Weg ins „Le Vin de l’assassin“ und die Türen öffnen sich und sofort spüren wir alle miteinander, dass dies hier der richtige Platz für uns ist. Es ist warm und heimelig und wunderschön dekoriert und wir werden von dem Besitzer mit Namen Salvo ebenso warmherzig begrüßt und zu unserem Tisch begleitet.

Wir haben Zeit, uns umzusehen, die Speisekarte zu studieren und nach einigem Hin und Her und den Empfehlungen von Arnaud, einem charmanten Franzosen, der als „Seele“ vom Ganzen fungiert, haben wir uns entschieden und werden nicht enttäuscht. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so köstlich gegessen habe und die Bilder zeigen hoffentlich ein bisschen was von diesem außergewöhnlichen Gaumenschmaus.



Wir starten mit einem sizilianischen Champagner und enden um Mitternacht mit einer Flasche Sekt auf’s Haus. Dazwischen bringen uns Arnaud und seine Kolleg:innen immer wieder zum Lachen, machen Scherze und vermitteln uns ein Gefühl von Willkommen-Sein.

Der Abend fließt dahin, die Musik animiert uns zum Mitsingen und so bringen Angela und icndndh mit Donna, Donna, Donna von Joan Baez ein Ständchen zum Besten. Es ist jetzt nicht so, dass der Rest des Lokals mit einstimmt oder applaudiert, aber es ist zu spüren, dass hier Platz für derlei Einlagen gibt. Niemand schaut missbilligend, im Gegenteil, als wir alle miteinander um Mitternacht auf das neue Jahr anstoßen, kommt Salvo zu mir und meint, dass er sich freut, heute Abend so sympathische Gäste zu haben - was will man mehr.

Nach Eins haben alle gendnug – wir machen uns auf den Weg – es regnet noch immer. Was soll’s, probieren wir’s, wir können uns ja zu Hause was Trockenes anziehen, vorher noch kurz ans Meer, wo Angela und eine ihrer Töchter noch ein Rauhnachtritual vollziehen. Da werden Zettel verbrannt oder dem Meer übergeben, und dann wandern wir los, um 15 Minuten später festzustellen, dass wir im Kreis gelaufen sind und wieder vor dem Restaurant stehen. Mir reicht es und ich sage, egal, was es kostet, wir versuchen, jetzt ein Taxi zu bekommen. Gott sei Dank, ist noch auf, und Salvo bestellt uns eines, dass uns dann wenig später nach Hause fährt.

Gegen zwei Uhr liegen wir in den Betten, es dauert noch ein wenig, bis ich zur Ruhe kommen kann, ich lasse die Erlebnisse des Abends in mir vorüberziehen und irgendwann schlafe ich mit einem Lächeln im Gesicht ein.



 
 
 

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